Mit Ehering und Spucktüte – diese Frauen haben das Influencer-Marketing erfunden

Influencer lassen sich nicht so leicht definieren. Manche sagen, es müssen Konsumenten sein, die immer mehr Einfluss aufbauen. Dann wiederum gibt es auch TV-Stars, die mittlerweile mehr und mehr als Influencer aktiv sind. Vor allem sind soziale Medien als Spielwiese für Influencer notwendig. Die Anfänge dieser Spezies gehen jedoch viel weiter zurück, als Instagram und Co. erahnen lassen.

Influencer gibt es heutzutage in vielen Variationen. Manche haben sich ausschließlich über Social Media nach oben gearbeitet – und erreichen dort mittlerweile mehr Menschen als manche etablierte Modezeitschrift. Zugleich gibt es Schauspieler, Profisportler, Gamer oder Journalisten und Fachleute aus verschiedensten Gebieten, die online als Meinungsführer und Vorbilder wirken.

Inzwischen werden zwar auch Social Media-Profis für die Branche geschult. Für die meisten heute bedeutenden Influencer gilt aber noch, dass sie nicht professionell für Beiträge auf YouTube und Instagram ausgebildet wurden. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass viele dieser Berühmtheiten in den sozialen Medien aus der Perspektive des Alltagsmenschen berichten. Trotz Millionen von Fans und Followern geben Influencer uns das Gefühl, irgendwie wie wir zu sein – und überlassen uns deshalb entsprechende Tipps beispielsweise über Mode, Kosmetik und Beziehungen. Das unterscheidet Influencer vom klassischen Star, der häufig nichts über sein Privatleben preisgeben will.

Geschichte des Influencer-Marketing – historische Ursprünge

Wir möchten euch zwei Frauen vorstellen, die zu den Pionieren im Influencer-Marketing zu zählen sind. Bei der einen ging die Werbekarriere durch eine Heirat richtig los – auch wenn man sie damals noch nicht Influencerin genannt hätte. Bei der anderen, bis heute wirkenden Persönlichkeit begann der Markeneinfluss zufällig. Mit einer besonderen Begegnung und einer Spucktüte über den Wolken.

Joan Crawford und Pepsi – per Ehering zur Influencerin

Joan Crawford lebte von 1904 bis 1977 und war eine amerikanische Film- und Fernsehschauspielerin, die ihre Karriere als Tänzerin und Showgirl startete. Im Jahr 1999 setzte das American Film Institute Crawford auf Platz 10 der Liste mit den größten weiblichen Stars des klassischen Hollywood-Kinos.

Im Jahr 1955 heiratete Crawford Alfred Steele, seinerzeit Vorstandsvorsitzender der Pepsi-Cola Company. Joan Crawford war bereits vorher eine Berühmtheit – mit zahlreichen TV- und Kino-Erfolgen sowie Auszeichnungen. Doch durch die Heirat begann sie, als Testimonial und Werbegesicht für die Marke Pepsi zu wirken. Nach eigenen Aussagen reiste sie dafür über 100.000 Meilen – und machte überall Werbung für das Erfrischungsgetränk. Nach Steeles Tod übernahm Crawford sogar dessen Sitz im Vorstand und erhielt später einen Preis für besondere Leistungen im Vertrieb.

Vom Werbegesicht zur Unternehmerin

Warum kann Crawford als frühe Influencerin gesehen werden? Zum einen ging sie aufgrund ihres Partners verstärkt in die Werbung – so wie es zahlreiche Frauen, beispielsweise von Fußballern, heutzutage ebenfalls tun. Zum anderen wuchs sie aus ihrer Rolle als Werberin heraus und wurde immer stärker unternehmerisch aktiv. Auch das gilt für die großen Influencerinnen der heutigen Zeit.

Dank Spucktüte zur Influencerin – Jane Birkin und Hermès

Jane Birkins Aufstieg zu einem der einflussreichsten Inspirationen in der Geschichte der Luxusmode kennen Branchenkenner nur zu gut. Jane Mallory Birkin wurde 1946 in London geboren und war ebenfalls bereits eine bekannte Schauspielerin, als sie zum Influencing kam.

Der Legende nach flog sie im Jahr 1983 von Paris nach London und saß zufälligerweise neben Hermès-Generaldirektor Jean-Louis Dumas. Birkin beklagte sich gegenüber Dumas, dass die berühmte Kelly-Bag von Hermès zwar ausgesprochen schön, aber nicht sonderlich praktisch sei. Zusammen skizzierten sie eine neue Handtaschen-Variante – auf einer Spucktüte! Kurze Zeit später brachte Hermès, nach Rücksprache mit Jane Birkin, die gleichnamige Tasche auf den Markt. Niemand wusste damals, dass damit eines der größten Statussymbole aller Zeiten geschaffen wurde. Victoria Beckham soll übrigens über 100 Exemplare besitzen.

Ohne Modeausbildung zur Fashion-Influencerin

Warum Jane Birkin auch eine Vorreiterin im Influencer-Marketing ist? Ob Chiara Ferragni oder Stefanie Giesinger – viele Influencerinnen haben ihren Einfluss längst auf kreative Aufgaben ausgeweitet. Sie dürfen das Design oder die Einsatzmöglichkeiten von Mode und Kosmetik mitgestalten – und bringen teilweise eigene Linien oder ganze Unternehmen auf den Markt. Das alles tun sie, obwohl sie nie die passende Ausbildung dafür erhalten haben. Auch Jane Birkin war niemals Designerin. Sie war begeisterte und kritische Konsumentin – mit durchschlagendem Erfolg.

Fazit: Influencer gibt es nicht erst seit diesem Jahrtausend!

Tatsächlich sind die Anfänge im Influencer-Marketing also mindestens bis ins mittlere 20. Jahrhundert zurückzuführen. Klar, zu der damaligen Zeit gab es noch keine sozialen Medien, über die man eigene Reichweiten aufbauen konnten. Doch natürlich hat schon damals die Presse mitgeholfen, Geschichten über Marken, Berühmtheiten und den Alltag der Schönen und Einflussreichen zu verbreiten.

Heutzutage ist über Social Media die Verbindung zwischen Labels, normalen und Star-Konsumenten noch direkter geworden. Doch Zufälle richtig zu nutzen hängt nicht von Instagram ab – ganz im Gegenteil. Vielleicht hätten Birkin und Dumas damals nur ein Selfie im Flieger gemacht, anstatt eine der beliebtesten Handtaschen der Welt zu entwerfen.

About Marie:

Marie hat sich schon im Studium mit Mode befasst und schreibt liebend gerne über interessante Labels, die noch vor dem Durchbruch stehen. Für YouJoy stöbert sie auch gerne im Underground der deutschen Modeszene(n). Besonders angetan haben es ihr – Überraschung – schöne Schuhe – selbst für Schlappen und Klotschen hat sie ein Herz.

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