Fünf Helden für grüne Mode – nachhaltige Rohstoffe für die Textilindustrie von morgen

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, häufig bleibt es aber bei Lippenbekenntnissen. Wir berichten regelmäßig über aktuelle Trends wirklich nachhaltiger Mode. Was kann die Textilindustrie, was können wir Konsumenten dafür tun, dass die Umwelt weniger unter der Mode leidet? In diesem Beitrag stellt unsere Expertin Anna-Lena nachhaltige Rohstoffe für die Modebranche vor.

Baumwolle ist der Klassiker unter den Textilfasern und die beliebteste Naturfaser. Wegen ihrer guten Trageeigenschaften wird sie von vielen Verbrauchern geschätzt. Sie ist sehr scheuerfest, hygienisch heiß waschbar und beim Tragen angenehm auf der Haut. Im Gegensatz zu diesen tollen Merkmalen steht allerdings ihr immenser Wasserverbrauch. Außerdem die Anfälligkeit für Unkraut und Schädlinge, die einen hohen Pestizideinsatz erforderlich macht. Dadurch versalzen die Böden und sie werden für eine weitere Nutzung unfruchtbar. Außerdem wird den Menschen, in ohnehin schon trockenen Regionen, buchstäblich das Wasser abgepumpt. Klingt nach einer ganz schönen Umweltsauerei oder? Hättest du gedacht, dass für 1 kg Baumwolle, durchschnittlich 11.000 Liter Wasser nötig sind? Die bessere Alternative zu herkömmlich angebauter Baumwolle ist Bio-Baumwolle.

Nachhaltige Textilien
Sieht schön aus, aber geht ohne Bio auf Kosten der Natur – Baumwolle

1. Bio-Baumwolle

Bei Bio-Baumwolle sind der Einsatz von Pestiziden, chemischen Düngemitteln sowie gentechnisch verändertem Saatgut verboten. Durch das Düngen mit Mist und Kompost werden die Böden genährt und dafür gesorgt, dass sie unter anderem mehr Wasser speichern können. Außerdem wird Bio-Baumwolle in Fruchtfolge angebaut. Das bedeutet, dass eine Ackerfläche in verschiedene Zonen unterteilt ist, auf denen jeweils neben der Baumwolle unterschiedliche Nutzpflanzen angebaut werden. Die Pflanzen rotieren im jährlichen Wechsel auf der Ackerfläche. Durch dieses notwendige Rotationsprinzip können die zusätzlich angebauten Nutzpflanzen von den Baumwoll-Bauern verkauft oder zum eigenen Verzehr genutzt werden. Dies sichert ihre Existenz auch in Jahren mit schlechter Baumwoll-Ernte. Die negative Umweltbilanz von herkömmlicher Baumwolle ist in der Branche bekannt. Daher steigt die Nachfrage nach Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) seit einigen Jahren stetig. Der Textilriese C&A ist laut “Organic Cotton Market Report” von Textile Exchange der weltweit größte Abnehmer von Biobaumwolle.

2. Leinen

Leinen gilt als die älteste bekannte Textilfaser. In den vergangenen Jahren wurde es von anderen Naturfasern, wie beispielsweise der Baumwolle, zunehmend vom Markt verdrängt und fristete ein Nischendasein. Doch glücklicherweise feiert Leinen in den Kollektionen vieler Hersteller aktuell ein Comeback. Die Faser verfügt über hervorragende Eigenschaften, die mit denen der Baumwolle vergleichbar sind. Aufgrund der glatten Faseroberfläche wird es auf der Haut als kühlend empfunden, weswegen sich Leinen besonders für sommerliche Kleidung eignet. Die ökologischen Merkmale sind zudem hervorragend: Die Pflanze wächst in europäischen Gebieten, was für den europäischen Markt kurze Transportwege ermöglicht. Sie ist robust und genügsam, kaum anfällig für Schädlinge und braucht wenig Wasser. Wird Leinen ökologisch angebaut, ist es ressourcenschonend wie kaum eine andere Faser. Allerdings ist es im Vergleich zu Baumwolle sehr aufwendig, die Fasern zu gewinnen. Sie freizulegen und so zu bearbeiten, dass sich daraus Garn spinnen lässt, ist sehr arbeitsintensiv. Das macht Leinen vergleichsweise teurer. Typisch für Kleidung aus Leinen ist der sogenannte „Leinenknitter“, denn die Faser hat im Vergleich zu anderen Fasern eine besonders hohe Knitterneigung.

3. Korkleder

Korkleder wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, die hauptsächlich auf Plantagen in Portugal wächst. Aus Sicht des Umweltschutzes ist besonders hervorzuheben, dass ein Fällen der Bäume nicht nötig ist. Die Rinde der Korkeiche wird lediglich abgeschält, um den Rohstoff zu gewinnen. So werden die Korkplantagen erhalten, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause bieten. Das regelmäßige Abschälen verstärkt die Eigenschaft der Bäume, CO² zu binden. Außerdem schützen die Korkeichen den Boden vor Erosion. Kork ist wasserabweisend, wie Leder zu verarbeiten, gut zu färben und erhält mit der Zeit eine schöne Patina. Mittlerweile gibt es nicht nur Taschen, Schuhe und Accessoires aus Kork, sondern auch Jacken und Mäntel.

Nachhaltige Rohstoffe Textilindustrie
Bei der Korkeiche bleibt der Baum gesund stehen – es wird nur geschält

4. Lyocell

Lyocell ist einigen vielleicht schon unter der Handelsmarke TENCEL® bekannt und zurzeit die aufstrebendste unter den nachhaltigen Textilfasern. Die Zellulosefaser wird in einem besonders umweltfreundlichen Verfahren hergestellt. Als Ausgangsstoff kann theoretisch die Zellulose jeder Pflanze genutzt werden. Für den europäischen Markt wird jedoch hauptsächlich Zellulose von europäischen Birken aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft verwendet. Die Lyocellfaser steht der Baumwolle in Bezug auf Trage- und Pflegeeigenschaften in Nichts nach, im Gegenteil: Aufgrund ihrer glatten Oberfläche ist Lyocell noch hautfreundlicher und kann bis zu 50 % mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Des Weiteren weist die Faser eine natürliche Hygiene auf, da sie Bakterien kein lebenswertes Milieu bietet. Daher ist sie besonders gut für Allergiker geeignet. Die vielseitig einsetzbare Faser ist bereits in den Kollektionen vieler Modehersteller zu finden. In den kommenden Jahren wird Lyocell mit Sicherheit noch mehr in den Fokus rücken.

5. Piñatex

Piñatex das Zeug zum Modeheldentum! © Ananas Anam

Die innovative Leder-Alternative Piñatex (vom spanischen Piña = Ananas) wird aus den Blättern der Ananas hergestellt. Es wurde ein Verfahren entwickelt, um aus den Blättern lederähnliches Material herzustellen. Dieses ist ähnlich stabil, dafür aber deutlich nachhaltiger als herkömmliches Leder. Die Umweltbilanz von Piñatex ist hervorragend: Da die Ananasblätter eigentlich ein Abfallprodukt sind, sind für die Gewinnung des Rohstoffs keine zusätzlichen Anbauflächen, Düngemittel oder Wasser nötig. Des Weiteren entsteht für die Bauern durch den Verkauf der Blätter eine zusätzliche Einnahmequelle.
Piñatex wird in der Green Fashion Szene bereits vielseitig für die Herstellung von Gürteln, Taschen und Schuhen eingesetzt. Es gibt aber auch Hersteller, die das Material für die Herstellung von Sofas oder Autositzbezügen verwenden.

Kennt ihr noch weitere nachhaltige Textilfasern oder habt ihr die oben genannten Materialien bereits in den Stores entdeckt? Wie denkt ihr darüber, sieht so die Mode der Zukunft aus? Schreibt mir gerne eure Meinung in den Kommentaren.

Fotos: Ananas Anam / Pexels

About Anna-Lena

Als gelernte Schneiderin und studierte Textilbetriebswirtin blickt Anna-Lena im Berufsleben täglich hinter die Kulissen des Modebusiness. Ihr Fokus liegt dabei stets auf Nachhaltigkeit. Bei YouJoy ist sie die Expertin für Modebranchen-Insights, aufstrebende Labels aus der Green-Fashion-Szene, Naturkosmetik und vegane Ernährung.

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